Tipps für das Gelingen eurer Partnerschaft

Tipps für das Gelingen eurer Partnerschaft
12. Februar 2017 Jan Lenarz
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In Eine gute Idee
Ein Gastbeitrag von Miriam Junge Diplom Psychologin, Psychologische Psychotherapeutin, Verhaltenstherapeutin und Geschäftsführerin von Junge & Kollegen Berlin Hinweis: in diesem Artikel versteht sich die Begriff “Partner” immer auch synonym mit “Partnerin”. Aufgrund der häufigen Verwendung weichen wir deswegen von unseren Verlagsbestimmungen der genderneutralen Sprache ab. Wir bitten dies zu entschuldigen.

Teil 1: Vertrauen in der Liebe

Eine liebevolle Partnerschaft benötigt mehr als das Gefühl, verliebt zu sein. Oft wird das explosive Erlebnis, sich zu verlieben, mit der großen Liebe verwechselt. Impulsive Gefühle können kommen und gehen. Liebe hingegen ist eine Aktivität, eine Kunst, die gelernt sein will, kein passiver Affekt, dem wir Menschen verfallen. Was ist, wenn die Romantik nachlässt, wenn die Freude aufeinander nicht mehr lebendig wirkt, wenn der Alltag in eine Beziehung Einmarsch gehalten hat und das Paar das Gefühl hat, zu funktionieren und nicht mehr das zu erleben, was es sich von einer Beziehung versprochen hat? Aufkommende Gleichgültigkeit für den anderen anstelle von brennendem Interesse. Das Paar sollte da intervenieren und sich gegenseitig seine verletzbaren Seiten erklären. Gedanken, wie „Das ist doch albern, das zu erzählen.“ sollten überwunden werden und dem Partner das Vertrauen geschenkt werden, dass er/sie zuhört und sich einlässt. Früher hörte der Partner zu, zeigte Interesse an den tieferen psychischen Vorgängen und dem Bedürfnis, den anderen verstehen zu wollen. Somit ist es ja schon einmal gelungen, die Gefühle des anderen verstehen zu wollen und mit Empathie aufnehmen zu können. Warum sollte dieses Bedürfnis, diese Fähigkeit verschwunden sein? Paarcoaching gilt als unromantisch – wie viele Dinge, die sich um das Gelingen einer Partnerschaft und einer langfristigen Liebe drehen. Gefühle und Gedanken äußern, das von dem Partner Gesagte paraphrasieren, wiederholtes Nachfragen und Durcharbeiten/Sprechen/Beleuchten von Konfliktsituationen, Streitigkeiten, Ängste auslösen, sich miteinander auseinandersetzen – all das kann Tiefe, Vertrauen und ein Gefühl, von dem Partner gesehen zu werden, erzeugen. Die Liebe ist dann am innigsten, wenn wir merken, dass unsere Geliebten unsere chaotischen, peinlichen und beschämenden Seiten verstehen, und vielleicht sogar besser als wir selbst. Wenn wir uns mit Mitgefühl und Nachsicht verstanden fühlen, entwickeln wir das Vermögen, zu vertrauen und zu geben. (…) In der Liebe geht es auch darum, von den Verletzlichkeiten und Sorgen des anderen berührt zu werden, besonders dann, wenn wir (wie es in den ersten Tagen passiert) dafür nicht zur Verantwortung gezogen werden. Unsere Liebhaber niedergeschlagen oder in einer Krise zu sehen, in Tränen oder einer Situation nicht gewachsen, gibt uns die Sicherheit, dass er, trotz aller Tugenden, doch nicht so beängstigend unschlagbar ist. Auch ist er manchmal verwirrt und nah am Wasser gebaut, eine Erkenntnis, die uns eine neue, helfende Rolle auferlegt, die unsere Scham über die eigenen Unzulänglichkeiten reduziert und uns im Leiden einander näherbringt. Alain de Botton Verknallen – verlieben, verliebt sein bis hin zur Liebe – ein völlig individueller Prozess mit vielen kleinen und großen Umwegen, Hindernissen und beflügelnden, beglückenden Erlebnissen. Vertrauen: Die Liebe in einer schon etwas länger andauernden Beziehung geht viel stärker in die Richtung einer tiefen Bindung – bestehend aus Vertrauen, Sicherheit und Geborgenheit. Es fühlt sich vielleicht nicht mehr nach dem vorher erlebten Gefühl von Abenteuer an – die anfänglichen Schmetterlinge im Bauch werden durch andere positive Eigenschaften einer Liebesbeziehung ersetzt. Entwicklungsstadien hängen immer davon ab, ob die Beteiligten das Fehlen der aufregenden Gefühle als negativ empfinden oder einsehen, dass es sich nun um eine andere Ebene handelt. In dieser Phase kommt es meist dazu, dass durch die „rosarote Brille“ der ersten Zeit vielleicht übersehene Charaktereigenschaften viel deutlicher in Erscheinung treten. Das Gefühl, dass „es passen könnte“, führt nun dazu, sich für einen weiteren gemeinsamen Weg zu entscheiden. Eventuell hat uns aber auch die rosarote Brille geblendet, und der anfängliche Liebestaumel hat uns über zu unterschiedliche Eigenschaften hinwegsehen lassen.

Teil 2: Kommunikation als Weg zum Vertrauen

Entscheidet ihr euch füreinander, ist es wichtig, sich auf die Grundpfeiler einer offenen Kommunikation ohne Vorwürfe und ein daraus resultierendes Vertrauen zu stützen. Dadurch können Meinungsverschiedenheiten gut geklärt werden, ohne dass die gesamte Beziehung infrage gestellt wird. Zieht Alltag in die Liebe ein, kann dies frustrierend für beide Partner sein und sich negativ auf die Liebe auswirken. Natürlich geben wir uns unserm Partner zu Beginn einer Partnerschaft mehr hin – emotional und körperlich. Wir schicken uns permanent Nachrichten, überlegen uns Überraschungen, möchten jede freie Minute mit dem anderen verbringen und andere Sachen, die vor dem Verlieben eine Rolle gespielt haben, werden nebensächlich. Einige, die dauerhaft auf das besondere Hoch in der Liebe hoffen, werden dies vielleicht nicht mehr über das starke Herzklopfen und Kribbeln im Bauch erleben (obwohl das auch in einer langjährigen Partnerschaft nicht ausgeschlossen ist). Gesten, wie z. B. lange tiefsinnige Liebesbriefe, Blumen oder einen schönen Wochenendausflug geschenkt zu bekommen, drücken dann die Zuneigung des Partners aus. Der Alltag stärkt die Liebe und die Partnerschaft. Beide schenken sich Vertrauen und geben das eventuell auch an ihre Kinder weiter. Die Beziehung lebt davon, die besonderen „Ecken und Kanten“ des anderen zu kennen. Die Partner kennen sich, und das anfängliche Hinterfragen ist nun nicht mehr nötig. Man hat das Gefühl, sich blind vertrauen zu können. Der Wochenendeinkauf im Supermarkt, gemeinsame Abende bei Freunden oder das Gefühl, sich vor dem Partner in Jogginghose präsentieren zu können, sind ein Zeichen von Vertrauen. Oft sind diese kleinen Schritte anfänglich in der Beziehung noch zu unsicher – die Partner, die sich um jeden Preis gefallen möchten, befürchten, dass die Liebe dadurch abnehmen könnte, wenn der andere sie oder ihn in einem anderen Bild wahrnimmt. Was nach wie vor in Beziehungen wichtig bleibt, ist der offene, wohlwollende Blick für den anderen: Wie geht es meinem Partner, was braucht er/sie, was wünscht er/sie sich. Die Erwartung an ein blindes Verstehen kann zu Enttäuschungen führen – aus diesem Grund ist es wichtig, regelmäßige Kommunikationsriten zu pflegen. Liebe in einer Beziehung aufrechtzuerhalten bedeutet Arbeit. Es lohnt sich, einiges dafür einzusetzen, um das gemeinsame Aufwachen morgens, Urlaube oder den wöchentlichen Einkauf erleben zu können, ohne sich immer zu überlegen, welchen spannenden Zusatzfaktor man in diese Aktivitäten einbringen kann. Braucht ihr mal wieder das besondere Kribbeln im Bauch, könnt ihr das selbst anstoßen und gemeinsam dafür sorgen, etwas Besonderes zu erleben …

Teil 3: Vertraute Rituale im Alltag der Liebe

Die meisten Paare entwickeln über ihre Beziehung hinweg Rituale. Solche Rituale verschaffen Sicherheit und geben den Partnern in der Beziehung Halt. Oft geht es nicht darum, was gemeinsam gemacht wird, sondern um die Regelmäßigkeit eines wiederholbaren Ablaufs mit symbolischem und emotionalem Wert. Habt ihr bereits Rituale, von denen euch gar nicht bewusst ist, dass es welche sind? Integriert Rituale in euren Alltag! Setzt euch gemeinsam zusammen und versucht, etwas zu finden, was euch beiden Spaß macht und Freude bereitet. Auf welche regelmäßige gemeinsame Beschäftigung hat dein Partner Lust?

Spaziergänge Rituell regelmäßige Spaziergänge in die Woche einzubauen (auch gut mit Kindern) hilft nicht nur dabei, den Kreislauf hoch zu schrauben, sondern kann mit gezielten „Qualitiy time-Gesprächszeiten“ dafür sorgen, dass die Kommunikation aufrechterhalten wird.

Ein Spaziergang nach dem Essen oder am Wochenende kann spontane Gesprächsthemen beinhalten oder unter dem Motto „gezielte Fragen“ ablaufen, z. B.: „Was hat dir diese Woche besonders gutgetan?“ „Was hat dir gefehlt?“ Überlegt euch gegebenenfalls schon im Vorfeld, was ihr gerne mit eurem Partner besprechen würdet, und nutzt Spaziergänge bewusst dazu, diese Themen anzubringen. Auch Problemgespräche sind im Gehen häufig einfacher und flüssiger zu führen.

Habt ihr regelmäßig Sex? Auch hier könnt ihr Rituale entwickeln, denn Sex und das Schenken von gegenseitiger Aufmerksamkeit ist für viele Bereiche der Liebe wie Vertrauen, Bindung, Geborgenheit und Sicherheit von großer Bedeutung. Dates: Überlegt euch z. B. abwechselnd einmal im Monat ein „Date“ für euren Partner. Verabredet euch regelmäßig zu einem Gespräch über euch! Legt dazu Gesprächsregeln fest, z. B.:
  • aktives Zuhören
  • fragt nach, wenn das Gefühl aufkommt, dass ihr euch nicht ganz verstanden fühlt bzw. fragt nach, wenn ihr das Gefühl habt, den Partner nicht genau zu verstehen
  • aussprechen lassen
  • Sprechzeiten festlegen
  • Stoppzeichen vereinbaren
  • eventuell das Ziel des Gesprächs festlegen
Mögliche Gesprächsthemen könnten sein:
  • Erlebnisse der letzten Woche
  • Was war heute vor einem Jahr? Vor drei Jahren? Vor fünf Jahren? Vor zwanzig Jahren?
  • Erinnerungen: Erzählt euch, was in eurem Leben als 5-Jährige*r, 15-Jährige*r usw. passiert ist. Wie habt ihr damals ausgesehen? Was war euch wichtig? Wer waren eure Freunde?
  • Fragt euch, wo ihr gerade als Paar steht: Wo seht ihr euch in einem halben Jahr, in einem Jahr, in drei Jahren …?
Ihr könnt das Gespräch dazu nutzen, Themen anzusprechen, über die ihr euch im Vorfeld Gedanken gemacht habt: Habt ihr Wünsche an euren Partner? Befürchtungen? Was bewegt euch im Moment am meisten? Gleicht eure Erwartungen aneinander ab, sprecht über eure Ängste und über eure Zukunft. Es ist wichtig, heikle Themen anzusprechen und euch aus eurer Komfortzone heraus zu wagen. Legt auch ein Ritual fest, mit dem ihr das Gespräch beenden möchtet: eine bestimmte Berührung, ein abschließendes Wort, ein Fazit, ein Drink, ein Kuss … Habt ihr schon mal das gleiche Buch zur gleichen Zeit gelesen? Tauscht euch über eure Sichtweisen und Interpretationen aus. Plant gemeinsame Urlaube, Trips, Ausflüge, Projekte, Anschaffungen. Überlegt euch Erlebnisse, die ihr immer schon gerne gemacht hättet – eine Art Beziehungs-Bucket List – das können ein ausgefallenes Essen, Rollenspiele, eine gemeinsame Anschaffung, eine Unternehmung bis hin zu einer abenteuerlichen Aktion sein. Seid zusammen verrückt, setzt euch zusammen hin und macht euch Gedanken darüber, was ihr schon immer mal machen wolltet. Entwickelt Rituale der Zärtlichkeit: Berührt euch gegenseitig bewusst und in der Intensität, in der es dein Partner mag. Zelebriert den sonntäglichen Tatort oder eine andere Aktivität, um das Wochenende zu beenden und gut in die neue Woche starten zu können.

Teil 4: Reflexion über Vertrauen, Kommunikation und Rituale

Rituale können sich verändern. Zum Beispiel, wenn ihr ein Baby bekommt, du oder dein Partner den Job wechselt, sich eine andere größere Veränderung im Leben ereignet. Der Stellenwert der Partner zueinander verändert sich oft erst einmal grundlegend. Achten beide Partner auf die Beziehung, versuchen sich „Wir-Zeit“ zu nehmen und – auch wenn das am Anfang nur bedingt möglich ist – kleine Rituale in den Tag einzubauen, kann das schon sehr unterstützend auf die Liebe wirken. Sagt euch ganz bewusst, was ihr an dem anderen mögt, was ihr schön aneinander findet, oder einfach „nur“, dass ihr da seid.
Dies ist einer der zehn Gastartikel aus ICH + ICH = WIR, den wir hier exklusiv veröffentlichen. Du kannst das Buch in unserem Shop bestellen.
Miriam Junge Diplom Psychologin Psychologische Psychotherapeutin Verhaltenstherapeutin Geschäftsführerin von Junge & Kollegen Berlin Junge & Kollegen Psychotherapie und Coaching Oranienburger Straße 45 10117 Berlin Tel. 030-28092988 Berlin@jungeundkollegen.de  

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