Achtsamer Urlaub: Wie du eine Auszeit planst, die dich wirklich entspannt

Urlaub machen und für eine Weile untertauchen
Für eine Weile untertauchen

Volle Terminkalender, chronischer Stress im Beruf und Privatleben und die Dauerbeschallung von Smartphone & Co – Gründe, warum wir uns nach Erholung sehnen und freien Tagen regelrecht entgegenfiebern, gibt es in der hektischen Leistungsgesellschaft viele. Wir zählen die Tage bis zu ihrem Beginn und schmieden große Pläne: weit weg fahren, all das erleben, was im Alltag zu kurz kommt, die Batterien mal so richtig aufladen. Endlich die fünf Bücher lesen, die seit Monaten vorwurfsvoll auf dem Nachttisch Staub ansetzen. Wandern, Omas Apfelkuchen nachbacken und Pilates machen. Am besten täglich. Aber das, was die schönste Zeit des Jahres werden soll, endet nicht selten in Stress und Frust. Und wenn wir in den Alltag zurückkehren, fühlen wir uns lange nicht so erholt, wie wir es uns vor der Auszeit ausgemalt haben.

Entspannung kann man eben nicht bestellen. Sie steht nicht einsatzbereit um die Ecke, willens, sich sofort wie eine Kuscheldecke über unser Leben auszubreiten, sobald wir endlich einmal innehalten. Auch unsere Entspannungszeiten brauchen ein bisschen Achtsamkeit und liebevolle Planung – für einen Urlaub, der zu uns und unserem Erholungsbedürfnis passt.

Du möchtest wissen, welche Art von Urlaub dich wirklich entspannt? Wir stellen dir fünf Fragen, die dir dabei helfen, es herauszufinden. 

1. Welche Urlaubslänge tut mir gut?

Um Urlaubsfrust vorzubeugen, lohnt sich ein Blick auf die Urlaubslänge. Drei einzelne Auszeiten übers Jahr verteilt können wirksamer entspannen als eine große, die mit hohen Erwartungen überfrachtet ist. So vermiest eine Schlechtwetterlage oder eine Erkältung nicht gleich das gesamte Urlaubserlebnis und es bleibt zwischen den einzelnen Urlaubsabschnitten auch noch Vorfreude auf die nächste Auszeit. 

Auch im Urlaub selbst lassen sich mit guter Planung einige Stressfallen vermeiden. Gerade wenn wir uns lange auf einen Urlaub gefreut haben, kann es passieren, dass wir einen nahtlosen Übergang von Arbeitsstress zu sozialem Stress erleben. Dabei brauchen die meisten Menschen zwei bis drei Tage, um langsam vom Alltagsmodus in einen entspannten Urlaubsrhythmus zu kommen. Es kann also hilfreich sein, keine großen Highlights in den ersten Urlaubstagen zu platzieren. Stattdessen geben wir Körper und Seele erst einmal Zeit, sich zu akklimatisieren  – ganz egal übrigens, ob wir wirklich wegfahren oder zu Hause urlauben. Mit der Taktik, größere Events in die zweite Hälfte der Auszeit zu legen, steigen unsere Chancen darauf, dass wir sie wirklich entspannt genießen können. 

2. Wie erschöpft bin ich wirklich?

Unsere Vorstellungen davon, wie Urlaub auszusehen hat, passen manchmal überhaupt nicht zu unserem eigentlichen Ruhebedürfnis. Wenn wir uns völlig ausgepowert fühlen, ist ein Adventure-Trip oder eine Fernreise eventuell zu viel des Guten. Für einen Urlaub, den wir sehr erschöpft beginnen, gilt: Jetzt ist nicht die beste Zeit für Risiken und Experimente. An einen Ort zu fahren, den wir bereits von früheren Reisen kennen, entspannt ungemein. Man weiß, in welchem Restaurant sich gut essen lässt, kennt Aussichtspunkte und die Infrastruktur vor Ort. Mehrmals die gleiche Urlaubsdestination zu wählen, kann also ein Zeichen von Selbstfürsorge sein – nicht von fehlendem Ideenreichtum.

Im Urlaub zu Hause bleiben und den Park genießen
Kurzurlaub fürs Gehirn

Und wenn wir erkennen, dass es uns bereits überfordert, Koffer zu packen, eine Unterkunft zu buchen und einen Katzensitter zu organisieren? Dann bleiben wir einfach zu Hause. Und entdecken vielleicht einen Park in unserer Stadt, den wir noch nie besucht haben. Neugier ist schließlich nicht nur für ferne Länder reserviert. 

Neben gewohnten Urlaubsorten geben auch vertraute Gewohnheiten Halt und Kraft. Der Urlaubsmodus ohne feste Strukturen kann uns sogar überfordern und eher ins Stimmungstief statt zur ersehnten Entspannung führen. Auch wenn wir uns so oft darüber beschweren – unsere Rituale und Strukturen geben uns Halt und dafür muss sich niemand schämen. Mag sein, dass es gut klingt, im Urlaub wirklich in ein ganz anderes Leben einzutauchen. Entscheidend ist aber, dass wir uns trauen, das zu tun, was uns wirklich entspannt. Es ist nichts dabei, ein paar Routinen beizubehalten. Das erleichtert Körper und Seele den Übergang von einem Zustand in den anderen – auch am Ende des Urlaubs.

3. Wobei tanke ich am meisten Kraft?

Auch wenn die Versuchung groß ist, im Urlaub allen Freizeitinteressen auf einmal nachzugehen – es ist besser, sich nur eine Aktivität auf einmal vorzunehmen. Sich wirklich auf ein Hobby einzulassen, es in Ruhe auszuprobieren und hinzuspüren, was es mit uns macht, gibt uns ein Gefühl von Selbstwirksamkeit. Wir leben oft genug mit einer übervollen To-do-Liste. Um Urlaub dürfen wir es uns gönnen, nur eine Sache mit Muße zu betreiben.

Und manchmal tanken wir sogar beim Nichtstun eine ganz besondere Kraft. Langweile im Urlaub ist kein schlechtes Zeichen. Wenn unser dauergestresstes Nervensystem wirklich mal aus der ständigen Produktivität findet und wir uns erlauben, ohne Schuldgefühle nichts zu tun – dann kann das unsere Batterien stärker aufladen, als jedes große Event. Im Urlaub morgens aufzustehen und sich zu fragen, worauf habe ich jetzt wirklich Lust, ist eine wahre Kraftquelle. Und wenn auf diese Frage keine eindeutige Antwort kommt? Dann warten wir einfach in Ruhe ab.

Entspannung im Urlaub durch Waldbaden
Entspannung durch Waldbaden

Auch was mögliche Mitreisende betrifft, tut es gut, zu hohe Erwartungen loszulassen. Wir müssen nicht die beste und harmonischste Zeit des Jahres haben. Stattdessen bekommen alle in der Gruppe Zeit für sich, über die sie selbst bestimmen dürfen. Das sorgt für mehr gute Laune und gelöstes Miteinander als der erzwungene Gruppenausflug oder ein perfekt inszeniertes Candle-Light-Dinner. Weniger ist eben manchmal mehr.

4. Wie spektakulär muss mein Urlaub sein?

Urlaub gilt in unserer Gesellschaft als Statussymbol – dieser Umstand erschwert es, uns von der Vorstellung zu lösen, wir müssten möglichst viele spektakuläre Erinnerungsfotos mit nach Hause bringen. Und in Zeiten von Smartphone, Social Media & Co ist die Verführung groß, ein instagramwürdiges Reiseziel auszusuchen. Aber die Suche nach „dem perfekten“ Moment, Hotel oder Urlaubsfoto führt dazu, dass wir viele Dinge, die um uns herum passieren, gar nicht mehr bemerken. Im Hier und Jetzt zu leben und die kleinen Geschenke der Gegenwart wertzuschätzen, ist schwieriger, wenn wir permanent auf der Suche nach „mehr“ sind. Lassen wir das Leistungsdenken also im Urlaub besser Zuhause.

Wie das geht? Zum Beispiel, indem wir nicht alles durchorganisieren. Sondern Platz lassen für spontane Einfälle. Einfach länger an einem Ort bleiben, weil es dort schön ist, auch wenn noch drei Hotspots auf der Liste stehen.

Sich mehr auf die Gegenwart zu konzentrieren und auf das, was bereits da ist, gelingt besser, wenn wir Handy oder Kamera an manchen Tagen einfach mal im Koffer lassen. Keine Bilder als Erinnerungsstütze zu machen, bringt uns dazu, unser Umfeld viel genauer wahrzunehmen. Lass an einem Tag ohne Handy das, was da ist, in Ruhe auf dich wirken: Was siehst du, was spürst du, was riechst du? Wie fühlt es sich, über den Boden zu laufen, auf den Felsen, durch den Sand, über das Gras? Welche Farbe hat der Himmel genau?

Achtsamkeitsübung im Urlaub: Jeden Tag eine Aussicht nur mit dem inneren Auge festhalten

Das permanente Fotografieren zu pausieren hat außerdem den Vorteil, dass du nicht mit hunderten von Bildern nach Hause kommst, die alle gespeichert, bearbeitet und zu einem Album gemacht werden wollen – was bereits den ersten Stress nach dem Urlaub auslösen kann. Ein „stillerer“ Urlaub lässt sich vielleicht nicht so spektakulär in Szene setzen, wenn man Freund*innen und Familie hinterher davon berichtet, aber ein tief entspanntes Lächeln erzählt eine mindestens genauso gute Geschichte.

5. Wann beginnt der Urlaub und wann hört er auf?

„Wer sich entspannen will, der muss sich vorher nur mal so richtig anstrengen“. Genau dieses Motto scheinen wir oft an den Tag zu legen, wenn es um den Urlaub geht. Da wird bis zum letzten Drücker noch vorgearbeitet. Der Schreibtisch soll leer sein, die Steuererklärung fertig, die Wohnung geputzt. Bei dem Versuch, die „perfekten“ Voraussetzungen zu schaffen, gehen wir oft so weit über unsere Energieressourcen hinaus, dass wir völlig kaputt in den Urlaub starten.

Und manchmal macht uns dieser Stress im Vorfeld sogar krank: Viele kennen die dicke Erkältung, die sich ausgerechnet am ersten Urlaubsmorgen breitmacht. »Leisure Sickness« nennt sich dieses Phänomen. Durch das gesteigerte Pensum läuft unser Immunsystem vorm Urlaub auf Hochtouren. Sobald die Belastung wegfällt, sinkt die Produktion von Abwehrzellen schlagartig – und macht uns anfälliger für Infekte. Alle Urlaubstage zusammenzusparen und vorher noch mal ordentlich Gas zu geben, um dann eine Zeit zu erleben, die möglichst perfekt werden soll, das ist also nicht unbedingt das beste Rezept für eine gelungene Auszeit.

Morgen ist morgen, jetzt bin ich hier.

Um einen Urlaub genießen zu dürfen, müssen wir nicht alles perfekt zurücklassen. Es ist auch völlig in Ordnung, offene Enden mit in den Urlaub zu nehmen. Man kommt ja wieder. Aber bitte auch nicht früher als nötig. Denn oft spüren wir schon zwei Tage vor der Abreise, wie der Alltag mit seiner rauen Zunge an allem leckt, was uns gerade eigentlich noch Spaß machen könnte. Egal, ob die dreiwöchige Alpentour oder das verlängerte Wochenende auf dem Balkon –  in den letzten Tagen sind wir mit dem Kopf oft schon wieder zu Hause oder im Büro und verpassen all die schönen Augenblicke, die sich vor uns eigentlich noch entfalten.

Lass dich und dein gestresstes Nervensystem einfach mal auf der Luftmatratze treiben
Gönn dir und deinem gestressten Nervensystem mal eine Auszeit

Wenn du dich in den letzten Urlaubstagen also dabei ertappst, dass du gedanklich schon längst abgereist bist, erschaffe dir ein Mantra, mit dem du einen Gedankenstopp praktizieren kannst: Sag (leise oder auch laut) so etwas wie: „Morgen ist morgen, jetzt bin ich hier.“ Bleib vor Ort, solange du vor Ort bist. Der Alltag kommt schnell genug wieder und du darfst dir erlauben, dich dann mit ihm zu befassen, wenn er dran ist. Dieses Eins-nach-dem-anderen-Prinzip kann sich, auch vor und nach dem Urlaub, nach ziemlich viel Entspannung anfühlen.

Fazit und Extra-Tipp

Mit unseren fünf Fragen kommst du einem entspannten Urlaub hoffentlich ein Stückchen näher. Erwarte aber auch hier keine Perfektion, sondern bleib neugierig und offen für Veränderung. Viele Menschen führen ein Reisetagebuch oder nutzen den Urlaub, um sich mit dem Thema Journaling zu befassen. Vielleicht kannst du dieses Jahr für dich nutzen, ganz wertfrei zu beobachten, was sich bei dir so tut in Sachen Urlaub – wie reagiert dein Körper auf bestimmte Einflüsse? Wie deine Seele? Mach dir Notizen zu deinen Gefühlen über den Urlaub: Was hat gut für dich gepasst, was nicht? Welcher Umstand war eher stressig und wann hat dich etwas positiv überrascht?

Deine Beobachtungen können wichtige Anhaltspunkte sein, die dir bei der nächsten Urlaubsplanung helfen können, eine Zeit zu gestalten, die dich wirklich unterstützt und stärkt.

1 Kommentar zu “Achtsamer Urlaub: Wie du eine Auszeit planst, die dich wirklich entspannt

  1. Ich fange eine Woche vorher an, das Haus aufzuräumen. Nicht alles auf einmal, jeden Tag ein bisschen. Es ist schön, wenn ich in ein ordentliches Zuhause zurückkehren kann, es verlängert das Urlaubsgefühl. Je nach Länge des Urlaubs und wenn irgend möglich, bleiben Laptop, Diensthandy zuhause. Mein Emailpostfach zeigt eine Abwesenheitsnotitz an. Auch etwas sus dem Urlaub mitzubringen (Kulinarisch, schöne Dinge) bringt ein bisschen Urlaub mit nachhause und hält die schönen Erinnerungen lebendig.

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