Achtsame Führung

Achtsame Führung
27. Juli 2017 Milena Glimbovski
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In Eine gute Idee

Meine liebsten Blogs zum Thema Führung sind Mutti-Blogs.

Meine liebsten Blogs zum Thema Führung sind Mutti-Blogs. Sie schreiben unterhaltsam, vermitteln mir ein Bild vom Leben mit Kindern, erinnern mich dadurch besser zu verhüten und erklären mir wie gute Führung funktioniert.
Mütter sind nämlich wahre Meisterinnen in achtsamer Führung. Sie wollen nur das Beste für ihre kleinen Mitarbeiter*innen, ihnen Werte mitgeben, sie fördern und fordern. Und nicht weniger als das will ich auch.

Meine Mitarbeiter*innen sind nicht meine Kinder – das würde ich nie wagen zu behaupten, aber ich empfinde eine gewisse Verantwortung für sie, ihr Handeln und auch das Sicherstellen ihres Arbeitsplatzes.

Und plötzlich war ich Chefin

In die Rolle der Chefin bin ich mit 23 Jahren so reingefallen. Ich hatte als Azubine in einer Werbeagentur gearbeitet, später als freie digitale Konzeptionerin und dann als Werkstudentin im Marketing bei Veganz. Werbung war mein Zuhause und die niedrigste Position im Unternehmen durfte stets ich innehaben. Bis zu dem Punkt als Original Unverpackt eine Finanzierung hatte und ich Mitarbeiterinnen einstellen durfte und musste. Eine Werkstudentin und eine feste Angestellte.

Plötzlich Chefin. Keinerlei Führungserfahrung – wenig soziale Kompetenzen. Was mich durch die Zeit rettete war meine Mentorin Nicole. Sie half mir immer wieder in den richtigen Momenten mich in die Mitarbeiter*innen hineinzuversetzen, um sie und ihre Position zu verstehen. Gleichzeitig ermahnte sie mich, dass ich auch Vorbild sein musste. Ich nickte und dachte ich verstünde – aber von wegen. Erst im Laufe der letzten drei Jahre habe ich nur einen Bruchteil von Verständnis erhalten, was eigentlich Führung ist. Und diesen kleinen Bruchteil will ich teilen.

Achtsame Führung bedeutet für mich auf sich selbst und sein Team acht zu geben.

Achtsame Führung bedeutet für mich auf sich selbst und sein Team acht zu geben.
Die Aufgaben als Chefin sind: Leitbild und Werte vermitteln, auf das soziale Gefüge und auch Diversity achten, nicht alle gleich behandeln, sondern da fördern und fordern wo es notwendig wird. Ich muss auf Trends achten, gesellschaftliche, aber auch die meiner Branche, das Tagesgeschäft betreuen, aber auch die Geschäftsentwicklung vorantreiben. Ich muss führen.
Achtsame Führung beinhaltet auch all, das aber noch viel mehr. Folgende Punkte erscheinen mir wichtig:

Entwicklung
Ich muss lernen und wachsen wollen. Als Führungsperson muss ich selbst bereit sein zu lernen, Feedback anzunehmen, und mir bewusst sein, dass ich nie fertig werde mich zu verändern, mich zu verbessern. Eine These, die ich besonders spannend finde ist: dass Reife und Wachstum durch Überforderung stattfindet. Das finde ich nicht unbedingt, aber es beschleunigt den Prozess definitiv.

Das perfekte Frühstücksei ist auch nicht an einem Tag entstanden. Deswegen: Innehalten, reflektieren, nachjustieren

Reflexion
Entwicklung findet vor allem statt durch Reflexion. Innehalten und sich fragen, was lief gut, was nicht, was kann ich daraus ziehen, was mache ich nächstes Mal besser. Wer das nicht tut, der läuft Gefahr eines Tages aufzuwachen und sich für unfehlbar zu halten oder gar das Gegenteil – aber nicht zu wissen warum.
Reflexion ist umso wichtiger, je höher man sich auf der Karriereleiter befindet. Je höher, desto weniger Leute geben einem Feedback, Kritik und desto eher braucht man einen Kreis, ein Netzwerk, eine Partnerin oder ein Mentor, der einen in Frage stellt und dabei hilft.

Erfolge genießen
Ein Grund für Burnout ist unter anderem, dass man viel arbeitet, aber das Gefühl hat keine Belohnung zu erhalten. Und für diese Belohnung ist man als Führer*in selbst verantwortlich. Oft reicht es schon aus, einfach ein abgeschlossenes Projekt zu feiern, innezuhalten für 5 Minuten oder auch einen Tag frei zu nehmen, bevor man sich in das nächste stürzt. Auch wenn die Bude brennt – wenn sich die Feuerfrau nicht mal ausruht – werden auch alle anderen Häuser abfackeln.

Vorbild sein
Lange beschwerte ich mich, dass Mitarbeiter*innen mir samstagabends Mails schrieben oder am Arbeitsplatz zu Mittag essen und dabei weiterarbeiten. Dinge, die alles andere als achtsam sind und nicht zu unserer Firmenkultur passen. Egal wie oft ich sie ermahnte – das half alles nichts. Bis ich mein eigenes Verhalten änderte. Das Team hat nur nachgemacht, was ich vorlebte. Je öfter ich in der Gruppe Mittag aß, oder wir füreinander kochten, desto eher konnte ich diese ungesunden Pausen unterbinden.

Krank im Büro

Das Wohlfühllevel im Blick behalten

Es ist ein Phänomen, dass sich alle Mitarbeiter*innen in allen Büros in denen ich je gearbeitet habe, erst mal ins Büro schleppten mit Krankheit und solange rumhusten und schnupfen bis sie nach Hause geschickt wurden. Dabei wissen sie selbst, dass sie nicht nur die anderen anstecken könnten, sondern auch ihre eigene Genesung verzögern. Selten ist eine Deadline es wert seine Gesundheit und die der anderen zu riskieren. Und die Kultur des „ins Büro kommen um nach Hause gesandt zu werden“ muss auch nicht sein. Schöner ist ein Vertrauen, eine Kultur, in der HomeOffice jederzeit möglich ist.

Konzentration
Das ist eines der Ziele, die ich verfolge, aber mir am meisten Schwierigkeit macht. Am leichtesten kann man arbeiten in ruhigen, konzentrationsarmen Umgebung. Wenn aber der Klassenclown plötzlich Klassenlehrerin ist, ist das anstrengend auf Dauer. Ich versuche die Mitarbeiter*innen seltener aus der Arbeit zu reißen – auch wenn ich das süßeste Katzengif der Welt gefunden habe und mir ein spitzfindiger Kommentar zur Situation einfällt. Das kann alles warten.

Ehrgeiz
Ehrgeiz war nie mein Problem. Eher das Gegenteil. Ich mag es lieber langsam und faul und gebe selten 100%. Aber wenn es um die Firma geht, um Geschäftsideen und Potenziale – dann muss alles sofort geschehen. Am besten zu gestern. Ich stehe in der Verantwortung als Geschäftsführerin das Geschäft zu entwickeln – aber nicht um jeden Preis. Wenn man zu viele Deadlines direkt nacheinander oder Projekte parallel laufen lässt mit zu wenigen Mitarbeiter*innen, und damit sie und sich selbst übernimmt – tut das keinem gut. Das ist gezwungenes Wachstum, es überfordert alle und auf lange Zeit macht so ein Stress krank. Langsamer, mit mehr innehalten, ist nachhaltigeres Wachstum.

Mein Fazit aus 3 Jahren achtsamer Führung

Verhaltensänderungen geschehen nicht von einem Tag auf den Anderen. Man kann sich vornehmen was man will, aber sie brauchen Routine, Gewohnheit und Zeit. Zu verstehen wie ich arbeite und was besser werden kann, dafür braucht man Reflexion. Selbst wachsen kann man aber auch mit Meditation. Für mich ist das Meditieren wie ein Fitnessstudio. Es muss regelmäßig geschehen, um sichtbare Änderungen zu haben – aber selbst nach nur einer Einheit fühle ich mich frisch und frage mich warum ich so faul bin und es so selten mache. Sobald ich länger darauf verzichte, merke ich wie die Muskeln schwinden, also die Konzentration, die Entspannung, die Leichtigkeit.

Achtsame Führung hat in erster Linie viel mit sich selbst und dem eigenen Verhalten zu tun und erst in zweiter Linie mit empathischem und aufmerksamen Zusammenarbeiten im Team. Was ich noch lernte: ich werde nie aufhören dürfen zu lernen. Ich werde nie die perfekte Chefin, so wie es nie die perfekte Mutter geben wird, aber ich werde stets dahin arbeiten, Fehler machen, reflektieren und weiter fleißig meine Mutti-Blogs lesen.


Dies ist einer von zehn Gastartikeln aus Ein guter Plan

Comments (2)

  1. Liebe Milena,
    ein ganz toller Blog Eintrag. Ich wollte dich fragen. Du hattest im “Ein guter Plan 2016” oder von 2017 eine Plattform empfohlen, wo man gut Projekte online im Team kommunizieren kann, anstatt Email. Leider finde ich es nicht mehr. Es war eine Webseite oder ähnliches. Ich hoffe du weißt, was ich meine.

    Freue mich über deine Rückmeldung!

    Danke nochmal!

    Deschna

    • Jan Lenarz 1 Jahr vor

      Das war sicher slack.com, das nutzen wir im Team statt E-Mail.
      LG
      Jan

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