30% aller Lehrer*innen sind von Burnout betroffen: 6 Gründe

30% aller Lehrer*innen sind von Burnout betroffen: 6 Gründe
14. Mai 2018 Jan Lenarz
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In Eine gute Idee

Über 30% aller Lehrer*innen sind von Burnout betroffen. Insgesamt fühlen sich über 60% aller Menschen im Bildungssektor regelmäßig gestresst. Tendenz steigend. Der Begriff des Burnout-Syndroms ist umstritten, auch in aktuellen Klassifikationen wird Burnout nicht als eigenständige Diagnose bzw. Krankheit eingestuft. Dennoch kennen viele Lehrer*innen das Gefühl des Ausgebranntseins und wir finden es passend, diesen emotionalen Erschöpfungszustand eben als Burnout zu bezeichnen, Klassifikation hin oder her.

Überarbeitung wird oft als alleiniger Grund für diese Symptomatik angeführt, aber die Wahrheit ist komplexer. Denn viele andere Faktoren erzeugen Stress und emotionale Anspannung. In einem liebevollen und wertschätzenden Arbeitsumfeld führen lange Arbeitszeiten und zu kurze Pausen zwar zwangsläufig zu einer physischen Erschöpfung und sind deswegen ebenso kritisch zu betrachten. Eine emotionale Erschöpfung tritt jedoch erst auf, wenn ein Zusammenspiel mehrere Faktoren gegeben ist.

Bei Ein guter Plan werden wir nicht müde zu betonen, dass Achtsamkeit zwingende Voraussetzung für eine Änderung des Status quo ist. Erst wenn wir Probleme erkennen und benennen, können wir sie angehen. Deswegen möchten wir euch kurz die sechs Faktoren aufzeigen, die zur emotionalen Erschöpfung in der Schule führen.

6 Faktoren, die Burnout in der Schule verursachen

1. Keine Kontrolle

Hast du keinen Einfluss auf die Prozesse und Abläufe in deinem Schulalltag, fühlst du dich machtlos. Auch wenn Kolleg*innen und Rektor*innen, die mehr Einfluss haben, diese Machtposition nicht bewusst ausnutzen, steht hinter allem was dir passiert die Gewissheit, dass du nicht viel mitzureden hast. Dieses subtile Gefühl der Passivität ist manchmal schwer zu erkennen. Aber hinterfrage ruhig öfter, ob du nicht etwas mehr eingebunden und informiert werden kannst (und möchtest).

2. Keine Belohnungen

Wir können so abgebrüht tun wie wir wollen, Belohnungen sind wichtig. Niemand kann sich ganz frei von dem Wunsch nach Anerkennung machen. Das Lob von der oder dem Vorgesetzten nach einer erledigten Aufgabe ist genauso wichtig wie das Danke von Kolleg*innen, deren Klasse man spontan für eine Vertretungsstunde übernommen hat. Leider gibt es für viele Dinge im Leben keine Wertschätzung von Dritten. Da musst du dann selbst ran: Stärke deine innere Stimme, und sage dir ruhig auch mal nach einer erledigten Aufgabe, dass du das gut gemacht hast. Und rein gar nichts spricht dagegen dir schon heute für´s Wochenden eine Massage zu buchen und nicht erst, wenn du vor Rückenschmerzen nicht mehr aus dem Bett kommst. Du darfst Dinge für dich tun, ganz ohne Not, einfach so. Verrückt, oder?

3. Keine Gemeinschaftlichkeit

Es gilt auch für die einsamen Wölfe unter uns: ohne sozialen Kontakte werden wir krank. Im Umkehrschluss gilt: Gemeinschaftlichkeit heilt. Dieses Gefühl der Wertschätzung in der Gruppe lässt sich natürlich nicht durch konstruierte Teambuilding-Maßnahmen künstlich erzwingen, sondern muss über einen langen Zeitraum des Vertrauen-Aufbauens wachsen. Bist du ein introvertierter Mensch, scheint das vielleicht eine unglaublich schwere Aufgabe zu sein. Aber gerade zurückgezogene und schüchterne Menschen gelten im Kollegium als verlässliche und geschätzte Freunde. Also hole dir deine Portion positiver Gruppen-Wertschätzung!

4. Keine Gerechtigkeit

Wenige Dinge werden dich emotional mehr erschöpfen, als das Fehlen von Fairness in Bezug auf dich oder deine Kolleg*innen. Wir haben ein feines Gespür für mangelnde Gerechtigkeit und müssen lernen, dieses zu artikulieren. Übrigens: dazu gehört auch die nörgelnde innere Stimme. Sei fair zu dir selbst. Verurteile dich nicht für kleine Fehltritte. Die Welt ist bekloppt und niemand hat dir eine Anleitung für dein Leben gegeben. Also sei bitte nachsichtig mit dir!

5. Wertkonflikte

Wir alle haben Werte und Normen, nach denen wir handeln. Diese muss man im Alltag oft zurückstellen und wir können vielleicht nicht alle hauptberuflich für den Tier- und Umweltschutz oder Menschenrechtsorganisationen arbeiten. Aber musst du täglich gegen deine tiefsten Überzeugungen handeln, wird dich das emotional auslaugen. Lehrst du in einer Schule, hinter deren Ausrichtung du nicht stehst, solltest du dich nach Alternativen umsehen.

6. Überarbeitung

Überarbeitung ist natürlich ein wichtiger Faktor. Und einer, der am einfachsten zu erkennen ist. Dass Menschen maximal vier Stunden am Tag konzentriert arbeiten können, ist kein Geheimnis mehr. Aufgaben, die keine große kognitive Kraft erfordern, kann man auch schonmal 6 bis 8 Stunden ausführen. Alles darüber hinaus schadet unserem Gehirn. Ein konstant gesteigertes Stresslevel erhöht den Blutdruck, schadet den Gefäßen und dem Herz, eine Regeneration durch Schlaf ist plötzlich nicht mehr möglich und nach spätestens 2 Jahren ist man rein physisch am Limit.

Vertraue deinem Bauchgefühl

Das alles erklärt, warum sich so viele Lehrer*innen ausgelaugt fühlen, obwohl sie vielleicht kein extremes Arbeitspensum bewältigen müssen oder ständig Mehrarbeit leisten. Diese Personen gestehen sich die emotionale Erschöpfung selten ein, da sie sich im Kopf immer wieder sagen “Ach, so viel hab ich doch garnicht zu tun, ich kann garnicht erschöpft sein.” Aber höre genau auf deine innere Stimme und nehme Anzeichen für einen Erschöpfungszustand achtsam wahr. Wie schon in Ein guter Plan Edu beschrieben: die Vermeidung von Krisen ist wesentlich leichter, als deren Beseitigung. Handle also so früh wie möglich, gestehe dir Probleme ein und ergreife Gegenmaßnahmen bevor du am Tiefpunkt bist. Denn dann hast du kaum noch Kraft für Veränderungen.

Jetzt neu: Ein guter Plan Edu, der Achtsamkeits-Planer für Lehrer*innen. Gegen die Glorifizierung von Stress in der Schule!

Was ist deine Meinung zu dem Thema? Wie stressig ist dein Schulalltag? Und was sind deine Tricks damit umzugehen?

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