Achtsames Planen: Aufbau und Anleitung für deinen Bullet-Planer

Tagebuch, Terminkalender, Notizbuch oder alles in einem – mit einem Bullet-Planer erstellst du dir eine Struktur, die ganz deinen Bedürfnissen entspricht, und das sowohl im Alltag als auch im Beruf oder im Studium. Wie du deinen Planer sinnvoll aufbaust und die Journaling-Methode achtsam anwendest, zeigen wir dir hier.

Ein guter Punkt: Ein Ordnungssystem ganz nach deinen Bedürfnissen

1. Einleitung
2. Bestandsaufnahme
3. Material und Zubehör
4. Bullet-System
5. Inhaltsverzeichnis
6. Zeitliche Einteilung
7. Individuelle Sammlungen
8. Schlussreflexion

1. Einleitung

Ein Buch, das sich deinen Plänen, Wünschen und Bedürfnissen anpasst. Wie das aussehen soll, entscheidest du. Die Bullet Journal®-Methode wurde ursprünglich von Ryder Carroll erfunden, um trotz seiner Aufmerksamkeitsstörungen fokussiert und produktiv zu bleiben und seinen Ängsten entgegenzuwirken. Im Kern ist sein System also vor allem ein wertvolles Werkzeug zur Selbstorganisation, das dich zudem in deiner Produktivität und Achtsamkeit unterstützt. Wenn dich darüber hinaus eine kunstvolle Ausgestaltung entspannt und dir noch mehr Raum zur Reflexion gibt, ist das gut. Das kann, muss jedoch nicht dein Maßstab sein.

Gerade als Anfänger*in lohnt es sich vor dem Loslegen also, diese Seite in Ruhe durchzulesen und ein Grundverständnis für den Aufbau zu bekommen. Am besten hältst du es anfangs so einfach wie möglich und ergänzt deinen Planer Stück für Stück nach deinen Bedürfnissen – egal ob ganz puristisch oder kreativ ausgeschmückt.

2. Bestandsaufnahme

Bevor es an die Erstellung deiner Inhalte geht, solltest du dir die Frage stellen, was du dir von deinem Bullet-Planer eigentlich erhoffst. Das System ist zwar so flexibel, dass du jederzeit Inhalte ergänzen oder rausschmeißen kannst, aber zu viel laufende Veränderung kann überfordern. Es bringt deshalb wenig, blind Vorlagen aus dem Internet zu kopieren, die gar nicht zu deinem Alltag passen oder bereits durch andere Planer oder dein Smartphone abgedeckt sind. Hier ein paar Vorschläge für dein Brainstorming:

Was möchtest du mit deinem Bullet-Planer erreichen?

  • Struktur in den Alltag bringen
  • Tagebuch führen
  • Neue Gewohnheiten etablieren
  • Dankbarkeit ausdrücken
  • Notizen und Gedanken schnell festhalten
  • Kreativ sein und entspannen
  • Projekt planen
  • Achtsamkeit üben

Tipp: Für manche ist es gar nicht so einfach, den ersten Strich im leeren Buch zu machen oder einfach so draufloszuschreiben. Dagegen hilft eine ausgewiesene Übungsseite am Ende des Buches, wo du gleich mit dieser Startreflexion beginnen kannst. Trotzdem finden wir: Hab keine Angst vor Fehlern. Sie gehören zum Journaling genauso dazu wie zum Leben. Eine krakelige Handschrift, durchgestrichene Sätze und unvollständige Listen sind okay. Das anzunehmen ist vermutlich die beste Achtsamkeitsübung, die dir dein Bullet-Planer zu bieten hat.

3. Material und Zubehör

Auch hier gilt: Mach nur das, worauf du Lust hast. Du brauchst keine bunten Tapes und professionellen Buntstifte, schon gar nicht, wenn dein Bullet-Planer ein simples Notizbuch sein soll. Gleichzeitig kann es jedoch helfen, dir vorher ein paar wenige, gut harmonierende Farben und Stifte auszusuchen und dich auf diese zu beschränken. So musst du dich nicht vor jedem Eintrag neu entscheiden. Das spart Zeit und schützt dich vor Motivationseinbrüchen. Starte mit dem, was du hast, und kaufe nur, was du wirklich brauchst.

Muss sein:

  • Notizbuch, ca. DIN A5, blanko, gepunktet oder kariert, z. B. Ein guter Punkt
  • Kugelschreiber oder Gelroller, z. B. Ein guter Stift
  • Bleistift und Radiergummi
  • Lineal oder Geodreieck

Kann sein:

  • Buntstifte, Brush Pens etc. (Achtung: Ein guter Punkt ist für fast alle Stifte geeignet, verträgt sich jedoch nicht mit Aquarellfarben)
  • Stiftehalter
  • Aufkleber
  • Erinnerungsstücke aus deinem Leben
Dreamteam: Ein guter Punkt und Ein guter Stift

Tipp: Die vorhin erwähnte Übungsseite eignet sich auch perfekt, um Stifte zu testen, Farben auszuprobieren und Zeichnungen zu üben.

4. Bullet-System

Mach dich zunächst mit den Symbolen vertraut, mit denen du durch deinen Bullet-Planer navigieren wirst. Natürlich kannst du auch eigene Symbole für diese oder weitere Kategorien definieren. Diese sammelst du im Key, also in der Legende ganz vorne im Buch:

Navigationssystem für deinen Bullet-Planer
  • Aufgaben kennzeichnest du mit einem einfachen Punkt und streichst diesen mit einem Kreuz durch, wenn du das To-do erledigt hast. Mit den passenden Vergleichszeichen verschiebst du den Task oder markierst ihn, wenn du ihn zwar noch nicht erledigt, aber bereits für später fest eingeplant hast. Sollte dir ein Punkt zu unscheinbar sein, ist ein quadratisches Kästchen eine gute Alternative.
  • Notizen und Ideen markierst du mit einem Bindestrich
  • Termine erkennst du an einem Kreis
  • Besonders wichtige Einträge versiehst du mit einem Asterisk (*) oder Ausrufezeichen

Dieses flexible System ist ideal, um achtsam zu planen und den Überblick über dein Leben zu behalten. Es kann nämlich sehr aufschlussreich sein, zu beobachten, welche Art von Aufgaben und Terminen häufig aufgeschoben werden. Nimm dir deshalb am besten am Ende des Tages/ der Woche /des Monats ein paar Minuten Zeit für eine kurze Reflexion deiner Einträge.

Tipp: Bastle dir eine kleine Merkhilfe, wenn du das Bullet-System noch nicht ganz verinnerlicht hast. Übertrage die Symbole und ihre Bedeutung auf ein Stück Papier und klebe den Spickzettel so an der Buchkante ein, dass du ihn jederzeit ausklappen kannst.

5. Inhaltsverzeichnis

Nun folgt das Inhaltsverzeichnis, auch Index genannt. Hier listest du alle Sammlungen (z.B. Habit-Tracker) und Logs (z.B. Jahresübersicht) mit der zugehörigen Seitenzahl auf, um die Einträge schnell wiederzufinden. Die Seiten von Ein guter Punkt sind übrigens bereits nummeriert.

Überblick behalten dank flexiblem Index

Tipp: Das Besondere am Bullet-Planer ist seine Flexibilität. Wenn du z. B. eine Liste mit Geschenkideen anlegst, musst du nicht mehrere Seiten frei halten, um genügend Platz für deine Ideen zu haben. Beginne deine Sammlung einfach auf der nächsten freien Seite. Ist diese nach einer Weile gefüllt, setzt du sie auf der nächsten gerade verfügbaren Seite fort. Im Index sieht das so aus: Geschenkideen: 11, 34, 70. Diese Methode nennt sich Threading und ermöglicht eine praktische, bedürfnisorientierte Handhabung.

6. Zeitliche Einteilung

Das Herzstück deines Bullet-Planers: Future Log, Monthly Log, Weekly Log und Daily Log zur zeitlichen Einteilung deiner Aufgaben und Termine. Auch wenn sich diese Einteilung eines Kalendariums bei den meisten Nutzer*innen bewährt hat, kannst du das System einige Wochen lang testen und es ggf. so anpassen, dass es für dich besser funktioniert.

Jahresübersicht (Future Log)

Das Future Log ist eine Jahresplanung, in der du die wichtigsten Ereignisse und Termine nach Monaten sortiert festhältst. Ein weiteres Feld für Pläne ohne konkretes Datum kann dich von herumschwirrenden Gedanken befreien und entlasten.

Jahresübersicht / Future Log

Monatsübersicht (Monthly Log)

Diese Doppelseite eignet sich perfekt, um den kommenden Monat zu organisieren. Hier kannst du nicht nur ein Kalendarium für all deine anstehenden Pläne eintragen, sondern auch deine Wünsche und Ziele für die nächsten Wochen notieren. Das verleiht deinem Monat Struktur und hilft dir darüber hinaus, das wirklich Wichtige im Blick zu behalten. Wenn die Wochen nur so an dir vorbeiziehen, ist diese Monatsübersicht also eine gute Gelegenheit, innezuhalten und deine Pläne an deinen Bedürfnissen auszurichten. Sollte dir eine regelmäßige Selbstreflexion besonders wichtig sein, kannst du die Monatsplanung noch um eine abschließende Monatsreflexion erweitern, bevor du in den nächsten Monat startest.

Monatsübersicht / Monthly Log

Wochenübersicht (Weekly Log)

Die Wochenplanung verschafft dir einen schnellen Überblick darüber, welche Aufgaben, Verabredungen und Co. in der Woche anstehen. Diese Ansicht ist zwar nicht im Original-System enthalten, ist unter Bullet-Planer*innen aber mittlerweile zu einem echten Standard geworden.

Wochenübersicht / Weekly Log

Tagesübersicht (Daily Log)

Das Daily Log macht den Bullet-Planer zum echten Alltagsanker. Plane deinen Tag und notiere dir Ideen, Aufgaben und Gedanken Zeile für Zeile untereinander, ohne diese von vornherein perfekt strukturieren zu wollen. Dazu gibt es ja die Symbole aus dem Bullet-System und ihre Bedeutung.

Tagesübersicht / Daily Log

Tipp: Es kann sein, dass du deine Termine lieber mit einem digitalen Kalender (Smartphone, Laptop) planst. Zwinge dich nicht, etwas zu ändern, was bereits gut für dich funktioniert. Ein Bullet-Planer soll dein Leben vereinfachen und funktioniert auch gut in Kombination mit anderen Organisationstools.

7. Individuelle Sammlungen

Das Besondere am Bullet-System: Du gestaltest dir deinen Planer ganz nach deinen individuellen Bedürfnissen und kannst die Inhalte jederzeit anpassen. Vielleicht möchtest du regelmäßig ein paar Dinge notieren, für die du dankbar bist. Ergänze deinen Monthly, Weekly oder Daily Log ganz nach Bedarf. Oder lege ganze Seiten für Mindmaps, Listen oder Tracker deiner Wahl an. Nimm dir gern noch mal die Notizen deines anfänglichen Brainstormings zur Hand. Welche Kategorien brauchst du, damit dein Bullet-Planer deinen Wünschen entspricht? Hier ein paar Ideen für individuelle Sammlungen:

  • Habit-Tracker für neue Gewohnheiten
  • Meine Ziele (1–3 Monate, 1–3 Jahre, 10 Jahre, Lebensziele)
  • Mood-Tracker
  • Dankbarkeitsliste
  • Self-Care-Liste
  • Schöne Momente
  • Jahresreflexion
  • Liste für Geschenkideen
  • Geplante Anschaffungen
  • Liste für Bücher und Filme
  • Zyklus-Tracker
  • (Traum-)Tagebuch
  • Essensplaner
  • Zitatesammlung
Verschiedene Arten, Gewohnheiten zu etablieren
Deine Ziele und Gewohnheiten in der Monatsübersicht
Individuelle Sammlungen ganz nach deinen Bedürfnissen

Tipp: Auch wenn die Möglichkeiten unendlich sind: Du musst dir nicht von Anfang an darüber klar sein, ob oder welche Sammlungen du in deinen Bullet-Planer integrieren möchtest. Es ist völlig okay, anfangs nur mit dem Grundgerüst Future, Weekly, Monthly und Daily Log zu starten.

8. Schlussreflexion

Dein Bullet-Planer wird sich vermutlich im Laufe der Zeit immer besser an deine Bedürfnisse anpassen. Genauso wie es sich im Alltag lohnt, ab und zu innezuhalten und zu reflektieren, kann eine Zwischen- oder Schlussreflexion ein paar spannende Erkenntnisse für dein nächstes Journal bringen. Diese Fragen kannst du dir stellen:

  • Wofür habe ich meinen Bullet-Planer am meisten verwendet?
  • Mit welchen Sammlungen habe ich gern gearbeitet?
  • Welche Sammlungen haben mir weniger Spaß gemacht?
  • Wo habe ich mich überrascht?
  • Welche zeitlichen Einteilungen haben am besten für mich funktioniert?
  • Welche Sammlungen (Listen, Tracker etc.) habe ich vermisst?
  • Welche Materialien möchte ich nächstes Mal (wieder) verwenden und welche habe ich vermisst?
  • Welche Aufgaben habe ich lange weitergetragen und warum?

Tipp: Sieh den Bullet-Planer nicht nur als ein produktivitätsförderndes Notizbuch, sondern auch als Werkzeug für mehr Selbstfürsorge an. Indem du dir Zeit nimmst, dein Journal noch mal in Ruhe durchzublättern und deine Einträge zu reflektieren, erlaubst du dir, dich mit dir selbst zu beschäftigen. Und das flexible System lässt dich den Fokus immer auf das legen, was du gerade im Leben brauchst.

Viel Spaß mit deinem Bullet-Planer!


Ganz besonderen Dank an Lorna Schütte für Illustration und Beratung